Skyfarming – Trend oder Utopie?

Stellen Sie sich vor, Sie stehen im modernen Hochgeschwindigkeits – Fahrstuhl, aus der Soundanlage plätschert leise Fahrstuhlmusik und als der Lift anhält flüstert die freundliche Digitalstimme: “Dreizehnte Etage – Spargelproduktion.” Falscher Film? Keineswegs!

Skyfarming

Ist Skyfarming die Zukunft der urbanen Landwirtschaft?

Ernstzunehmende Wissenschaftlicher befassen sich seit mehr als 40 Jahren mit den Fragen der Ernährung der Weltbevölkerung in der Zukunft. Aus reinen Fantasie – Produkten wurden konkrete wissenschaftliche Projekte mit Kostenrechnung und Produktionsprognose. Die Idee ist durchaus keine Erfindung von Wissenschaftlern der westlichen Welt. Bereits die Indios des tropischen Regenwalds im Amazonasgebiet betrieben „vertical farming“ in der Nähe ihrer Dörfer, bei dem 30 Meter hohe Bäume, mittlere Sträucher mit essbaren Früchten und in der Erde angebaute Wurzeln an einem Ort beerntet wurden.

1978 wurden die ersten Ideen zu diesem Thema veröffentlicht. 1999 entwickelte ein Professor der Columbia Unversity in New York City mit seinen Studenten ein Projekt für die Landwirtschaft in Hochhäusern, auch Farmscraper genannt. Von da an gab es kein Halten mehr. Schweinemastanlagen, Fischzuchtbetriebe , Champignonfarmen Hühnerfarmen und Gurkenfelder – alles im Hochhaus. Weil Erde sehr schwer ist und immer auch eine große Zahl Keime und Bakterien enthält, sind die Farmen und Plantagen im Hochhaus als Hydrokultur gedacht. Sensoren messen ständig den Feuchtigkeits- und Nährstoffgehalt der Luft und steuern die Versorgung der Pflanzen. Abfälle werden an die Tierfarm ein Stockwerk tiefer verfüttert, die Ausscheidungen der Tiere oben wieder als Dünger benutzt.

Platzsparende Kreislaufwirtschaft heißt das Prinzip. Hintergrund der geistigen Anstrengungen ist die Gewissheit, dass die Weltbevölkerung bis 2050 zirka neun bis zehn Milliarden Menschen zählen kann. 80% der Weltbevölkerung wird in Großstädten leben, deren Einwohnerzahl heute unvorstellbare Größenordnungen annimmt. Nach Kalkulationen der Wissenschaftler ist eine Versorgung mit landwirtschaftlichen Gütern nach heutigen Methoden gar nicht möglich, weil allein die Nahrungsmitteltransporte Unsummen verschlingen würden. Deshalb wird das Thema von Jahr zu Jahr interessanter.